Pflegekonzept

Wir arbeiten nach dem „Modell der fördernden Prozesspflege“ von Monika Krohwinkel.

Meta-Paradigma der Pflege

Nach dem pflegewissenschaftlichen Aspekt lassen sich die Pflegetheorien und Pflegemodelle in vier Paradigmen oder Schlüsselkonzepte einteilen. Sie umfassen die Bereiche

  1. Mensch/Person,
  2. Umwelt,
  3. Gesundheit/Krankheit und
  4. Pflege.

Anhand dieser Kriterien lassen sich die Zielsetzung, das Selbstverständnis und die Systematik des Pflegemodels beschreiben und erfassen.

Mensch/Person

Hiermit sind sowohl die Person des Pflegebedürftigen wie auch die Pflegeperson gemeint. Der Mensch wird als komplexes und integrales Wesen verstanden, das über eine eigene Identität und Integrität verfügt. Durch seine Integrität ist der Mensch in der Lage, sich zu entwickeln, zu wachsen, zu verändern und ist urteilsfähig, er kann Entscheidungen treffen, Handlungen vornehmen und Verantwortung übernehmen.

Gesundheit und Krankheit

Krankheit und Gesundheit sind definiert als fortlaufender Prozess, aus dem die Pflege die Ressourcen und Defizite des Gepflegten ableiten kann. Der Pflegebedürftige identifiziert Wohlbefinden und Unabhängigkeit als subjektiv empfundene Teile der Gesundheit.

Pflege

Pflege soll die Fähigkeiten der pflegebedürftigen Person oder ihrer Angehörigen erhalten oder zur Wiedererlangung fördern, um die Unabhängigkeit und das Wohlbefinden des Gepflegten zu erreichen. Die Elemente der Pflege werden in den ABEDL beschrieben.

Aktivitäten, Beziehungen und existenzielle Erfahrungen des Lebens (ABEDLs)

  • Kommunizieren können
  • Sich bewegen können
  • Vitale Funktionen des Körpers aufrechterhalten können
  • Sich pflegen können
  • Essen und trinken können
  • Ausscheiden können
  • Sich kleiden können
  • Ruhen und schlafen können
  • Sich beschäftigen können
  • Sich als Mann/Frau fühlen können
  • Für Sicherheit in der Umgebung sorgen können
  • Soziale Bereiche des Lebens sichern können
  • Mit existenziellen Erfahrungen des Lebens umgehen können
    • Existenz gefährdende Erfahrungen,
    • die Existenz fördernde Erfahrungen und
    • Erfahrungen, welche die Existenz fördern oder gefährden

Pflegerahmenmodell

Mit dem Pflegerahmenmodell werden die primären Interessen, Zielsetzungen und Methodik der Prozesspflege definiert. Dabei sind diese zentralen Elemente handlungsorientiert auf den Pflegebedürftigen und seine Bezugspersonen ausgerichtet. Diese übergeordneten pflegerischen Handlungen und Aufgaben gliedern sich in drei Bereiche:

Das primäre pflegerische Interesse

Im Mittelpunkt des pflegerischen Interesses steht die pflegebedürftige Person. Für die Pflegekraft sind die pflegerischen Bedürfnisse, die individuellen Defizite des Gepflegten, seine Fähigkeiten und Ressourcen sowie sein Umgang mit existentiellen Erfahrungen des Lebens wesentlich und werden anhand der AEBDLs definiert und beschrieben. Die Pflege wird dabei durch primäre Einflussfaktoren beeinflusst:

  • Umgebung
  • die Lebensverhältnisse des Pflegebedürftigen
  • Gesundheits-/Krankheitsprozesse und die
  • Diagnostik und Therapie

Die primäre pflegerische Zielsetzung

Ziel pflegerischen Handelns ist die Erhaltung, Förderung beziehungsweise das Wiedererlangen von Wohlbefinden und Unabhängigkeit des Gepflegten innerhalb der Lebensaktivitäten und im Umgang mit den existentiellen Erfahrungen des Lebens. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen die Fähigkeiten des Pflegebedürftigen und seiner Bezugspersonen systematisch erfasst werden. Darauf aufbauend kann die Pflegekraft die pflegebedürftige Person stützen und fördern. Die primären pflegerischen Ziele sind von dem individuellen Zustand des Pflegebedürftigen unabhängig, egal ob er krank, behindert, gesund oder sterbend ist.

Die primären pflegerischen Hilfeleistungen

Innerhalb der Pflegemethodik werden fünf grundlegende Methoden zur Hilfeleistung zur Verfügung gestellt. Diese werden bedürfnis- und zielorientiert angewandt – dabei dienen die Handlungen der Pflegeperson primär der Stützung und Förderung des Einzelnen und sollen seine Unabhängigkeit erhalten beziehungsweise zum Ziel haben.

  • Handeln für den Pflegebedürftigen
  • Leiten und Führen des Gepflegten
  • Sorge für eine, die positive Entwicklung fördernde, Umgebung
  • Unterstützung des Pflegebedürftigen
  • Anleitung, Beratung, Unterrichtung und Förderung der zu pflegenden Person und seiner persönlichen Bezugspersonen.

Pflegeprozessmodell

Der Pflegeprozess ist ein vierphasiger und individueller Problemlösungs- und Beziehungsprozess. Dabei werden zunächst Daten im Rahmen der Pflegeanamnese erhoben, darauf basierend werden im zweiten Schritt innerhalb der Pflegeplanung die Ziele und Maßnahmen festgelegt. Als dritter Schritt wird die Pflege durchgeführt und die geplanten Maßnahmen werden kreativ umgesetzt, bevor als letzter Schritt des Pflegeprozesses die als Evaluation bezeichnete Auswertung erfolgt.

Diese wird durch eine Soll-Ist-Analyse und eine Rückmeldung (Feedback) ermöglicht.

In diesem Prozess ist die Pflegeprozessdokumentation ein wesentlicher Bestandteil. Diese Dokumentation ist ein Mittel zur interdisziplinären Zusammenarbeit, dient als Bewertungsbasis, kann zur Entwicklung neuer Erkenntnisse sowie zur Überprüfung der Pflegeleistung genutzt werden und erhöht die Wirksamkeit und Beständigkeit der Pflege.

Managementmodell

Mit dem Managementmodell werden die notwendigen Rahmenbedingungen der Pflege definiert. Dazu gehören zeitliche, personelle und strukturelle Ressourcen, die zur Erfüllung der pflegerischen Hauptaufgaben und Verantwortungsbereiche erforderlich sind.

Fünf Tätigkeitsbereiche sind definiert:

  • Direkte Pflege:
    Konkrete Durchführung der Pflegemaßnahmen
  • Pflegedokumentation:
    Durchführung der pflegerischen Dokumentation innerhalb des Pflegeprozesses
  • Arbeitsorganisation:
    Bedarfsanalyse, Festlegung der Entscheidungs-, Delegations- und Evaluationsverantwortung für die pflegerischen Aufgaben, Methoden und Ressourcen
  • Diagnostik und Therapie:
    Übernahme der Durchführungsverantwortung innerhalb ärztlicher Entscheidungs-, Delegations- und Evaluationsverantwortung
  • Kooperations- und Koordinationsleistungen:
    Aufgaben die in Abstimmung mit den anderen Berufsgruppen und Arbeitsbereichen von der Pflege wahrgenommen werden

Schlussfolgerung

Die Methode des reflektierenden Erfahrungslernens ist in seiner Struktur identisch zur Methode des Pflegeprozesses. Durch die Anwendung des Regelkreises wird aus der pflegerischen Handlung ein Prozess der zu erfahrungsbasiertem Lernen führt. Notwendig und sinnvoll ist diese Form des Lernens, weil dadurch analytisch gewonnene Erkenntnisse zur Reflexion des Handelns und einem erneuerten Problembewusstsein führen. Neue Handlungen und Maßnahmen werden angeregt, positive und erfolgreiche Handlungen in das individuelle Handlungsrepertoire aufgenommen und verstärkt. Die Synthese von Erfahrungen und Theorie kann dauerhaft zu einem veränderten Pflegeverständnis und zu neuen Pflegekonzepten führen.